Skin Diamond, bürgerlich Jasmine R., wurde am 18. Februar 1987 in Ventura, Kalifornien, geboren. Sie wuchs in einer kreativen Umgebung auf: Ihre Mutter war Lehrerin, ihr Vater Musiker. Schon als Jugendliche interessierte sie sich für Performance-Kunst und experimentelles Theater. Nach ihrem Highschool-Abschluss zog sie nach Los Angeles, um an der University of California, Los Angeles, Film- und Medienwissenschaften zu studieren. Bereits während ihres Studiums sammelte sie erste Erfahrungen vor der Kamera, zunächst in Low-Budget-Kurzfilmen und Musikvideos. Ihre multikulturelle Herkunft – sie hat afroamerikanische, japanische und europäische Wurzeln – prägte ihr Selbstverständnis und später auch ihre künstlerische Arbeit.
Ihr Einstieg in die Erwachsenenunterhaltungsbranche erfolgte 2010, als sie 23 Jahre alt war. Zu dieser Zeit arbeitete sie als Stripperin und Performance-Künstlerin in Clubs in Los Angeles. Ein Agent entdeckte sie und vermittelte sie an ein renommiertes Studio. Skin Diamond entschied sich bewusst für einen alternativen Karriereweg, weil sie die Kontrolle über ihre Darstellung und künstlerische Freiheit suchte. In einem Interview betonte sie später, dass sie nie das Gefühl hatte, ausgebeutet zu werden – im Gegenteil, sie nutzte die Plattform, um eigene Visionen zu verwirklichen. Besonders beeindruckend war ihre Fähigkeit, Erotik mit ästhetischen und oft surrealen Elementen zu verbinden. Innerhalb weniger Jahre wurde sie zu einer gefragten Darstellerin und arbeitete mit namhaften Produktionsfirmen wie Evil Angel, Kink.com und Vivid Entertainment zusammen.
Ihr Durchbruch kam 2013 mit der Rolle in dem Film „The Submission of Skin Diamond“, der auf dem Erotikfestival in Berlin gezeigt wurde. Für ihre darstellerische Leistung erhielt sie 2014 den AVN Award als „Best Actress“ in einer Kategorie für alternative Filme. Diese Auszeichnung war ein Wendepunkt, denn sie bewies, dass Erwachsenenfilmkunst auch auf Festivals ernst genommen werden kann. Skin Diamond war eine der ersten Performerinnen, die offen über Drehbedingungen, Einwilligung und die Grenzen des Genres sprach. Sie gründete 2015 ihre eigene Produktionsfirma „Diamond Eyes Productions“ und begann, eigene Konzepte zu entwickeln: Kurzgeschichten, die Erotik mit sozialkritischen Themen verknüpften. Ihre Reihe „Dreamscapes“ wurde für ihre surrealistische Bildsprache gelobt und auf mehreren unabhängigen Filmfestivals gezeigt.
Ab 2017 zog sich Skin Diamond weitgehend von der Kameraarbeit zurück und konzentrierte sich auf die Arbeit hinter der Kamera. Sie schrieb Drehbücher für Kurzfilme und veröffentlichte 2018 eine Sammlung von Essays unter dem Titel „Flesh & Fantasy: Mein Leben zwischen den Welten“. In diesen Texten reflektierte sie offen über ihre Erfahrungen in der Erotikbranche, über Rassismus und Körperbilder in der Gesellschaft. 2019 inszenierte sie ihr erstes Theaterstück „Hautnah“ im The Complex Theater in Los Angeles, das auf biografischen Elementen basierte. Seither ist sie als Mentorin für junge queer-feministische Filmemacherinnen aktiv und hält Vorträge an Universitäten. Skin Diamond lebt heute in Berlin und arbeitet an einem Dokumentarfilm über die versteckten Kosten der Selbstverwirklichung in der Unterhaltungsindustrie.
Skin Diamond beschreibt ihren Werdegang als eine Reise zu sich selbst. Sie habe gelernt, dass Macht nicht darin liege, begehrt zu werden, sondern darin, Geschichten zu erzählen, die verändern. Derzeit bereitet sie ein multimediales Projekt vor, das Performance, Video und Literatur vereint. In ihrer Freizeit praktiziert sie Aikido und unterrichtet Kreatives Schreiben in einer Berliner Volkshochschule. Ihr Engagement für mehr Diversität in der Kunstszene zeigt sich auch in ihrer Rolle als Jurymitglied des Feminist Porn Awards. Skin Diamond macht keinen Hehl daraus, dass sie ihre Vergangenheit als Darstellerin als wichtigen Teil ihrer Identität betrachtet – eine Entscheidung, die sie weder bereut noch romantisiert. Ihr Fokus liegt heute darauf, andere zu ermutigen, authentische Wege zu gehen, ohne sich für ihre Biografie rechtfertigen zu müssen.